"Landwirt ist der schönste Beruf der Welt"

02. Juli 2015

Landwirtschaftsschüler berichten über ihre Ausbildung

7 Uhr am Montagmorgen, es ist „tierisch“ laut im Stall. Die Sauen auf dem Ausbildungsbetrieb von Franziska von Weichs haben Hunger. „Das Frühstück hat sich um eine Viertelstunde verzögert. Das merken die Sauen sofort“, weiß die 21-Jährige. Das Füttern und die Kontrolle jedes einzelnen Tieres ist Teil ihrer täglichen Arbeit und hat oberste Priorität. Nach einem einjährigen Praktikum auf einem Michviehbetrieb und anschließendem Fachabitur hat sie eine Ausbildung auf einem Sauen-  und Ackerbaubetrieb begonnen. Neben der Arbeit auf dem Feld begeistert sie die Arbeit mit den Tieren am meisten. Oft führt sie Familien mit Kindern durch die Schweineställe und muss sich auch kritischen Fragen stellen. „Nach fachlichen Erklärungen über die Haltung der Tiere zeigen viele Besucher deutlich mehr Verständnis“, ist ihre Erfahrung.

„Da macht man gerne schon mal länger“, beschreibt Henry Rohlmann aus Hörstel die Arbeit mit dem Trecker auf dem Feld. Nach dem Abitur hat der sich der 20-Jährige für die landwirtschaftliche Ausbildung entschieden und will im Anschluss studieren. „Die Arbeiten auf dem Feld, wie Saat und Ernte, sind immer von der Witterung abhängig und variieren von Jahr zu Jahr. Wenn für die nächsten Regen vorhergesagt ist, muss schon mal in den Abendstunden gedroschen werden. Wir versuchen, die Flächen in der Nähe der Wohnhäuser mit solchen Aktionen zu verschonen, doch das klappt leider nicht immer“, wirbt Henry für Verständnis. Auch auf Fußgänger, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer muss Rücksicht genommen werden.

Nicht nur auf dem Acker werden die Landwirte von modernster Technik unterstützt, sondern auch im Stall ist viel Technik anzutreffen, die dem Landwirt die Arbeit erleichtert und zum Tierwohl beiträgt. Besonders ist ebenfalls die Struktur der Ausbildung zum Landwirt. „Ein großer Vorteil für die jungen Azubis kann das Wohnen und Leben in der Familie auf dem Ausbildungsbetrieb sein“, findet Jan Große Kleimann aus Steinfurt. „Gerade die Gespräche nach Feierabend am Küchentisch haben einen hohen Wert“, so der 21-Jährige.

Nicht alle jungen Landwirte können wie Paul Stegemann aus Recke direkt nach der Ausbildung auf dem elterlichen Betrieb loslegen. Sie nutzen die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten, die angeboten werden. Einige Junglandwirte gehen ins Ausland, um dort andere Betriebsstrukturen und Kulturen kennen zu lernen. Andere gehen zum Studium an eine Universität oder Fachhochschule oder machen ein Praxisjahr, um danach eine Fachschule für Landwirte zu besuchen. Die Abschlussprüfung ist vergleichbar mit der Meisterprüfung im Handwerk. Danach steht den jungen Landwirten, staatlich geprüften Landwirten, den Agraringenieuren und Agrarwissenschaftlern ein breites Berufsspektrum offen – auch im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft zum Beispiel in der Fachberatung, in der Forschung oder bei Behörden.  „Einige wundern sich dann, wie schnell die Arbeitskleidung vom Overall zum Anzug mit Krawatte wechseln kann“, so Paul Stegemann.

Bei aller Liebe zum Beruf des Landwirtes gibt es aber auch einen Wermuthstropfen. „Das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit hat sich stark verändert“, sagt André Schulze-Terharn. „Früher vertrauten die Menschen den Landwirten bei ihrer täglichen Arbeit und waren dankbar für hochwertige Produkte. Heute stehen wir in der Kritik. Kriminelle Einzelfälle werden in den Medien gezeigt, bei denen Tiere nicht tiergerecht behandelt werden. Die Wirklichkeit bei uns sieht anders aus. Wir sind als Landwirte bestens ausgebildet und nehmen unsere Verantwortung sehr ernst. Wir behandeln unsere Tiere gut und kümmern uns um jedes Einzelne“, so die fünf Junglandwirte. „Deshalb werben wir im Rahmen unseres Öffentlichkeitsprojektes für die moderne und vielseitige landwirtschaftliche Ausbildung. Für uns ist Landwirt der abwechslungsreichste und schönste Beruf der Welt.“

Bild: Die Azubis André Schulze-Terharn, Paul Stegemann, Jan Große Kleimann, Franziska von Weichs und Henry Rohlmann

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